The Circle – Avalanche Interview von Joachim Tank (Ausgabe 3/96)

The Circle 3/96

Aufgrund der vielen guten Kritiken sind Avalanche vielleicht keine gänzlich Unbekannten mehr. Der Fankreis, den die Band anspricht, dürfte eigentlich auch groß genug sein. Werfen sie sich mitten ins Getümmel zwischen Heavens Gate, Bling Guardian, Helloween, Scanner etc… Noch dazu spielen sie so eigenständig, ehrlich und frisch auf, dass ich die neue CD gar nicht erwarten kann. Diesen Eindruck bestätigt dann auch folgendes Interview:

The Circle 3/96

The Circle 3/96

J.T.: Seid Ihr damit einverstanden, wenn ich sage, dass Here Comes The King so klingt, wie Helloween nach Keeeper Of The Seven Keys  Part 1 hätte klingen müssen, wobei ich euch nicht als Kopie bezeichnen möchte?

Olaf: Das ist ein netter Zug von Dir, aber jetzt mal ernsthaft. Meiner Meinung nach ist Keeper Of The Seven Keys Part 2 ein würdiger Nachfolger von Part 1. Was uns betrifft, so überlassen wir es lieber anderen, unsere Musik zu bewerten. Dass Du uns mit Helloween vergleichst, fassen wir als Kompliment auf und freuen uns natürlich, aber unser Ziel, so wie Helloween zu klingen, war es nicht.

Keeper Of The Seven Keys Part 2

ein würdiger Nachfolger von Part 1

J.T.: In Zeiten, wo nicht mal mehr bei Metalla ein HM-Video läuft, muss man schon Idealist sein, um diese Musik zu spielen. Ihr macht das schon einige Jahre. Verbindet euch etwas besonderes mit HM?

Guido: Das ist nun mal die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Für mich ist es eine etwas zügellose Art und Weise, um mich auszudrücken. HM ist die einzige Musik, bei der ich eine Gänsehaut bekomme. Zudem strahlt das HM-Publikum für mich die meiste Sympathie aus. Die bewerten in erster Linie die Musik und akzeptieren einen so wie man ist, und nicht wie man aussieht und ob man als Mädchenschwarm geeignet ist.

J.T.: Mit dem Song Hungry (For Sensation) sprecht ihr mir aus der Seele. Gab’s einen besonderen Anlass für diesen Song?

Guido: Die Frage hättest Du nicht stellen sollen, denn mit der Antwort kann ich mehrere Seiten füllen, aber ich fasse mich kurz: Fahr mal Autobahn Richtung Dortmund: Unfall – fahre dann in die Gegenrichtung, Kassel: Stau. Da werden sich die Hälse ausgerenkt, Snacks zum Knabbern ‚rausgeholt und wenn möglich noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen … anderer Fall: Da kommt man abends nach Hause und möchte gemütlich vor dem TV sein Abendessen zu sich nehmen und was kommt? Explosiv, Notruf und wie sie sonst noch heißen mögen. Nicht, das es für die Eltern schon schlimm genug ist, dass ihrem Sohn von einer tonnenschweren Diesellok beide Beine abgefahren werden, nein, es muss ja auch für die Leute, die zu Hause im Wohnzimmer sitzen, noch möglichst originalgetreu nachgespielt werden, damit dieser einzigartige Nervenkitzel ‚rüberkommt.

Wenn ich dann die Schreinemakers sehe, wie sie aus ihren Gästen den letzten verzweifelten Gefühlsausbruch rauskitzelt, um dann zu zeigen, welch tiefes Mitleid sie doch empfindet, dann krieg ich so’n Hals. Heutzutage ist es schon normal, dass man sich am Leid anderer regelrecht ergötzt, und das kann ich einfach nicht verstehen und deswegen dieser Song.

J.T.: Wollt ihr sonst noch was zu den Texten sagen?

Ich bin nicht der Moralapostel

Guido: Ansonsten schreibe ich weniger kritische Texte. Ich möchte einfach nur ausdrücken, was ich empfinde, ohne jedoch anderen dabei meine Meinung aufzudrängen. Ich bin halt nicht der Moralapostel, der mit erhobenem Zeigefinger die Leute auffordert, irgendwelche katastrophalen Missstände zu beseitigen.

J.T.: Wie sind denn die Reaktionen der Fans und der Magazine, ins besondere der größeren?

Matze: Äußerst positiv. Wenn man berücksichtigt, dass wir alles selbst produziert haben und nicht die große Werbetrommel rühren konnten, sind wir wirklich sehr zufrieden.

Guido: Natürlich gab’s auch welche die von uns die große Musikrevolution erwartet haben und dann enttäuscht worden sind, weil wir bereits auf einer schon existierenden Schiene fahren, aber warum sollten wir etwas machen, wozu wir selbst keinen Bezug haben.

Olaf: Wir freuen uns natürlich besonders, dass unsere CD auch im europäischen und amerikanischen Ausland Anklang gefunden hat – das motiviert natürlich. Die Rückmeldungen der Fans sind ebenfalls positiv gewesen, so dass uns bereits jetzt schon Bestellungen für die Nachfolge-CD vorliegen. Irgendwie verrückt, aber das macht natürlich riesigen Spaß.

J.T.: Haben die Auftritte mit Virgin Steel, Sahara und Axxis Eindrücke hinterlassen?

Guido: Wir waren natürlich beeindruckt von der Professionalität, die solche Bands an den Tag legen – davon konnten wir viel lernen. Am besten gefallen hat mir jedoch, dass diesen Bands der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. Das sind keine Götter in Lack und Leder, sondern eben Leute wie Du und ich.

Virgin Steel, Sahara und Axxis

davon konnten wir viel lernen

J.T.: Gibt’s Pläne für ein paar Shows außerhalb des Ruhrgebiets?

Matze: Zunächst müssen wir mal einen neuen Gitarrero einarbeiten, da Carsten aus persönlichen Gründen die Band verlassen hat. Durch den Auftritt bei Axxis haben wir eine Anfrage für ein Metal-Festival im Mai ’96 in der Nähe von Göttingen. Darüber hinaus streben wir unter anderem auch überregionale Veranstaltungen an – sie müssen sich aber natürlich auch in unserem eher beschiedenen finanziellen Rahmen befinden.

J.T.: Schreibt ihr schon wieder neue Songs? Falls ja, welche Richtung schlagen sie ein?

Guido: Wir sind gerade dabei, neue Stücke einzuspielen, die im Groben den alten Stil fortführen, jedoch von uns diesmal noch etwas erweitert und verfeinert werden. Durch den neuen Gitarristen werden auf jeden Fall neue Elemente mit einfließen.

J.T.: Befinden sich außer United noch mehr ältere Songs auf der CD? Und bestehen noch Chancen, die älteren Demos zu bekommen?

Matze: Tut mir leid – nein. Sämtliche Demos sind ausverkauft und werden nicht noch mal veröffentlicht, da außer United noch Neverending Flight und Flame Of Life auf unserem letzten Demo In Search Of Yaga zu hören waren.

J.T.: Euren alten Namen Ka’ili find ich sehr originell, obwohl Avalanche besser zur Musik auf Here Comes The King passt. War das der Grund für die Umbenennung?

Olaf: Genau, Ka’ili war eigentlich eine Fun-Bezeichnung ohne ausreichenden Tiefsinn, mit der außer uns wohl keiner etwas anfangen konnte.

J.T.: Zum Schluss eine etwas weit hergeholte Frage. In Search Of Yaga, Ka’ili …, habt ihr Interesse an indischer Religion?

Guido: Nö, das sind eigentlich Fantasie-Namen, die mit indischer Religion nichts zu tun haben. Mit Religion ist es wie mit der Politik – da halten wir uns größtenteils raus. Dazu soll jeder seine eigene Meinung haben.

Joachim Tank

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